• Christoph Hagen

Warum wir fotografieren

Aktualisiert: 28. Sept 2018

Warum Fotografieren wir?

Meine Frau und ich waren schon immer begeisterte Naturgänger.

Uralte Bäume, rauschende Wasserfälle, das weite Meer, Sand, Strand , die Sonne, das Licht, aber auch die flatternde Leichtigkeit der Schmetterlinge und die an den Himmel reichenden Berge haben uns schon immer fasziniert und im Innersten bewegt.


Der Sonnenuntergang weckt in uns die Sehnsucht zur Heimat, zum Licht

Dieses sprachlose Staunen, dieses im Herzen angerührt sein im Foto zu verewigen, war und ist zu allen Zeiten schon unser vorrangiges Ziel gewesen. Diese Magie des Augenblicks auch für andere Erlebbar zu machen, haben wir stets als unsere Aufgabe angesehen.

Aber wie hält man dieses einzigartige Erleben in einem Foto fest?

Man macht in seiner Begeisterung eine Fotoausbildung – als meine Frau sich nach der Ausbildung an der Fotofachschule in den Niederlanden Fotografin nennen durfte, gestand sie mir, dass sie jetzt erst mal wieder Fotografieren lernen müsse, der kindliche Schneid, dieses spontane Einfach-drauflos war unter viel Wissen begraben worden. Es hat eine ganze Weile an Erfahrung gedauert, bis sie gelerntes Verstandes-Wissen und intuitives Tun vereinen konnte.


Ist doch simpel

Sie denken vielleicht, ist doch heute gar kein Problem, sie wählen die Automatik und schon macht die Kamera den Rest und was nicht stimmt, regeln sie mit der Bildbearbeitung nach. Was sie noch nicht können, finden sie bei Tante Google, eben simpel.

Das worum es uns geht, bessern sie nicht mit ein paar Schiebern nach. Es entzieht sich auch weitgehend unserem Verstand, es lässt sich erleben, es ist spürbar, sie bekommen in solchen Momenten vielleicht einen Schauer, sind einfach tief beglückt, vielleicht sogar angerührt. Da ist etwas, was sie nicht fassen, aber doch genießen und erleben können. Für den einen ist es die farbenfrohe Leichtigkeit eines Schmetterlings, die mächtigen Berge, die Stille eines spiegelnden Sees, ein kräftiger Sonnenaufgang.


Doch nicht so simpel

Vielleicht können wir uns so annähern. Als ich mit meiner Frau zu fotografieren begann, dachte ich , das kannst du auch. Im Nachhinein betrachtet, musste ich kleinlaut eingestehen, sie hatte im Gegensatz zu mir etwas besonderes in ihrem Foto eingefangen, eine Art Ausstrahlung, die das Foto zu etwas besonderem machte. Auch ihre empfohlene Lektüre "Der Wunderapostel" von Hans Sterneder ließ mich zwar ahnen, aber erst recht nicht ähnliches schaffen oder begreifen.

So etwas hatte ich schon einmal erlebt, ich hatte das für mich einzigartige Glück bei dem

Butoh-Tänzer Kazuo Ohno in Japan ein Jahr Tanzunterricht zu bekommen. Allways touch, ich will Lebendigkeit keine Technik sehen und mit dem Herz tanzen waren seine Worte, die ich damals ebenso wenig verstand.

Aber zurück zur Fotografie, es ist die besondere Kraft, die die Essenz einer Blüte für uns bereit hält. Wenn wir ihr eine Weile volle Aufmerksamkeit schenken, uns mit ihr verbinden, weckt es einfach Freude in uns.


Naturfotos schenken Kraft

So gibt sie uns das, was wir immer brauchen – Lebenskraft. Beglückt trägt sie uns beschwingt für eine Weile durch unseren Alltag und zaubert ein Lächeln auf unsere Lippen, lässt die Augen feucht werden oder läuft wie ein Schauer über unseren Rücken. Die Natur erinnert uns mit ihren Wundern an das Wesentliche, worum es eigentlich geht und was die Welt ihnen zwar verspricht, aber letztlich nicht leisten kann. Je mehr sie ihren Verlockungen nachgehen, desto mehr werden Sorgen, Ängste, Unglück und Leid zu ihren Begleitern. Sie vergeuden ihre Lebenskraft und werden krank.

Sie selbst sind der Auswählende, der die Aufmerksamkeit schenkt oder nicht. Das Glück liegt also in ihrer Hand und sie lassen es in jedem flüchtigen Augenblick neu entstehen oder nicht. Sind sie offen für das Wesentliche der Blüten, erfreut die zarte, rosa Magnolie ihr Gemüt, vielleicht hüpft ihr Herz sogar vor Freude.

Sehen sie die Kategorie Magnolia, auf lateinisch, damit Klarheit herrscht, dann sehen sie halt wiedermal eine von den vielen Magnolien, die sie zu kennen glauben.

Mit Glauben schenken hat das interessanterweise beides Mal zu tun. Es sind nur zwei Wirklichkeiten der Welt, wobei die eine in der anderen eingebettet ist ohne es zu wissen.


Magnolie (magnolia) in rosa

Die eine glaubt man oder man glaubt sie nicht mehr.

Die andere spürt man oder man spürt sie noch nicht.


Die Wirklichkeit der Natur, mit dem Auge des Geistes betrachtet, lässt uns ein Echo Gottes vernehmen.

Ansel Adams


Die Wirklichkeit der Natur ist für uns nicht nur, was das Auge sieht, sondern auch und wesentlich das Gefühl, die Schwingung, die sie in uns auslöst. Für uns ist es ein schönes und gutes Gefühl, ein Gefühl des Angerührtseins, vielleicht mit Adams das Echo Gottes. Dieses Besondere erlebe ich nur in ausgewählten Bildern.

Was könnte A. Adams mit Gott gemeint haben. Also den strafenden Gott aus dem Religionsunterricht mit langem Bart auf einer Wolke schwebend sicher nicht. Vielleicht einen Gott aus einer anderen Religion? Was wir unter der Kategorie GOTT oder wie sie es nennen würden, in unserem Hirn abgelegt haben, ist eine Sammlung von gefühlten Erinnerungen, die wir bisher in unserem Leben erfahren haben, um noch deutlicher zu sein, was andere uns über ihn erzählt haben. Der Namenlose passt eben nicht in unsere Begriffswelt.

Und so glauben wir auch alle anderen uns eingebläuten Märchen, weil z.B. irgendein Dr. oder gar Prof. das folgende Universum-Bild Spiralgalaxie NGC 1300 genannt hat.

copyright: ESA/Hubble Foto Spiralgalaxie NGC 1300

Was bilden wir uns doch ein, dieser unfassbaren, bizarren Schönheit einen Namen geben zu wollen.

Einen Namen geben, ab in die Schublade, und schon passt das ganze Universum wieder in unsere Hosentasche. Gelernt ist gelernt, das machen wir von klein-auf und verwechseln so Begriffe mit Leben bzw. Wissen.

Aber wenn wir uns die Zeit nehmen genauer hinschauen, offenbart sich uns diese Schönheit auch in unserer Erden-Natur.


Galaxie Kornblume (Galaxy Centaurea cyanus L.)

Ich habe mir das Recht herausgenommen auch mal einen Namen zu geben.

Die Blüte fällt bei ihnen wahrscheinlich ganz banal unter Kornblume (gesetzt den Fall sie sind deutsch erzogen). Können sie jetzt zurück gehen zu der Zeit , wo ihnen noch niemand erzählt hat, was das ist? ---- soviel Gedankenstriche wie sie Zeit brauchen. Schaffen sie es, das Bild vor ihren Augen ein wenig unscharf werden lassen? So geht es manchmal etwas leichter.

Wenn sie die beiden obigen Bilder mit ihren Kinderaugen anschauen, erschließt sich ihnen vielleicht, was beide für uns gemeinsam haben können.

Sie gehören mit uns und allen anderen Schönheiten dieser einzigartigen Welt in dieses Universum.

Wenn das jetzt ganz und gar nichts für sie mit Fotografie zu tun hat, ist das nicht schlimm, ich habe fast sechzig Jahre damit zu gebracht, es mir mühevoll bei zu biegen.


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